The Wrestler

Randy „The Ram“ Robinson steht vor den Trümmern seines Lebens: Die große Zeit als Wrestling-Star in den 80er Jahren ist längst vorbei, finanziell ist es schlecht um ihn bestellt und seine Tochter Stephanie hat nicht mehr als Enttäuschung und Verachtung für ihn übrig. Während sich Randy an seine vergangenen Erfolge klammert, weiterhin auf miesen kleinen Kampf-Events auftritt und sich mit Steroiden in körperlicher Form hält, muss der abgewrackte Profi-Wrestler feststellen, wie weit seine Vereinsamung bereits fortgeschritten ist. Nur mit Stripperin Cassidy verbindet ihn eine tiefere Freundschaft. Zu seiner miserablen Gesamtsituation kommen erschwerend gesundheitliche Probleme hinzu, die ihren vorläufigen Höhepunkt in einem Herzanfall finden. Randy muss das Wrestling an den Nagel hängen um weitere Zusammenbrüche zu vermeiden – doch im Berufsleben kann der alternde Sportler nicht mehr Fuß fassen…



Blut, Schweiß, urmenschliches Gebrüll und rohe Gewalt. Nein, wir befinden uns hier nicht am Anfang von Kubrick’s ‚2001‘, sondern mitten im Wrestlingring. Und das darf man wörtlich nehmen. Einen Teil des Filmes lauern wir nämlich hinter Ram’s Schulter und folgen ihm auf seinem steinigen Weg durchs amerikanische White Trash-Leben. Einst gefeierter Star im Ring, muss er nun sehen wie er über die Runden kommt und die Miete für seinen Trailerwagen blechen kann. Nur hat Ram niemanden mit dem er diese Last teilen könnte, denn seine Familie trifft er nur am Wochenende – im Ring oder in der Umkleidekabine. Der Film stellt die Wrestling-Szene trotz der Gewalt als liebenswertes Grüppchen dar, das sich immer brav umarmt und unterstützt wo es nur geht. Es ist nicht verwunderlich dass dies für Ram jene Familie darstellt, die er einst durch eigenes Fehlverhalten verloren hatte (leider erfährt man nichts darüber bzw. über seinen Abstieg im Allgemeinen). Durch einen Herzinfarkt von seinem Leben abgekoppelt, versucht er sich als Fleischfachverkäufer, guter Freund und sogar als Vater. Diese Versuche bringt Regisseur Aronofsky glaubwürdig rüber, ohne hastig oder übereilt zu wirken. Man versteht die Gefühlsregungen jeder einzelnen Figur, denn schauspielerisch wird hier großes Kino geboten.

Über Mickey Rourke wurde schon oft genug gesprochen, seine Klasse in diesem Film wird wohl niemand mehr anzweifeln. Deswegen erwähne ich hier lieber Marisa Tomei und Evan Rachel Wood, denen man jede ihrer Reaktionen abnimmt. Auch sie haben Wünsche, Träume, Sehnsüchte… und Angst vor einem ‚Ram-Jam‘, der diese wieder kaputt macht. Am Ende kann es nur eine Familie geben. Der Großteil des Films wird in grobkörnigen Bildern aufgefangen, ohne optische Spielereien die irgendwas beschönigen. Das Leben am Rande der Gesellschaft ist hart und das wenige Geld, welches einem der Einpackerjob eingebracht hat, haut man in der nächsten Kneipe wieder raus, um nicht an den Rest der Probleme denken zu müssen. Passend dazu präsentieren sich Soundtrack und die restliche Untermalung. Harte, dröhnende Rockmusik für die durchzechte Nacht und kleine, ruhige Balladen für den Kater am Morgen. Genau der richtige Film für den Ende des Winters. Ehrlich, direkt und ohne zu beschönigen. Die mediale Aufmerksamkeit ist verdient – fraglich ist an dieser Stelle nur, wieso gerade solche Filme mit wenig Kopien an den Start gehen. Das Thema sollte die Leute nicht abschrecken, denn sie verpassen ein feinfühliges Drama mit einem würdigen Ende.

9/10

Reblog this post [with Zemanta]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>