Frost/Nixon

Nach seinem Rücktritt als US-Präsident als Konsequenz aus der Watergate-Affäre 1974 ist es still geworden um Richard Nixon. Zu den eingestandenen Vorwürfen hat er sich nie weiter geäussert und sich auch nie beim amerikanischen Volk für den Amtsmissbrauch entschuldigt. Dutzende seriöser Journalisten haben seitdem vergeblich versucht den ehemaligen Präsidenten für ein Interview vor die Kameras zu bringen. Nun gelingt dies ausgerechnet dem eher auf Unterhaltungssendungen spezialisierten britischen Talkmaster David Frost. Das Kalkül im Berater-Team Nixons ist klar, man baut auf die Unerfahrenheit von Frost und möchte Nixon mit dem Interview in ein neues Licht rücken um so eine Rückkehr auf die politische Bühne zu ermöglichen. Doch auch Frost verspricht sich von der Sache etwas, nämlich die Abkehr vom seichten Unterhaltungs-Journalismus hin zum anerkannten Talkmaster und die Rückkehr aus einem Karrieretief.

Es ist traurig was für Themen in der Schulzeit untergehen. Da redet man lieber jahrelang über den zweiten Weltkrieg (dessen immense Bedeutung ich hier nicht verleugnen will), anstatt sich mal mit der Weltpolitik und den abstrusen Geschichten zu beschäftigen, die diese hervorbringt. Wie gut dass sich so manch Filmemacher dieser Themen annimmt und sie für junges, unruhiges Volk verständlich aufbereitet. So geschehen bei Frost/Nixon. Die Idee ein Interview zu verfilmen klingt erstmal mehr als unspektakulär, doch das gesamte Drumherum und die perfekt gewählten Darsteller sind ein Grundstein des Folges. Besonders beeindruckend war Frank Langella als Nixon, dessen tiefe Originalstimme sich ins Gedächtnis brennt und vor Ehrfurcht still werden lässt – so wie man es im Film als Reaktion von Frost sehen kann. Der charmante Showmaster wird auf seinen Platz verwiesen wie ein kleiner Schuljunge. Und wie man es von kleinen Schuljungen kennt, werden diese gerne mal trotzig und versuchen jetzt erst recht, irgendwie zu gewinnen. Dass dies nicht spurlos an allen beteiligten vorübergehen wird, dürfte klar sein. Unterbrochen wird die Ernsthaftigkeit von Frost’s Reporterkollegen, die den ein oder anderen flotten Spruch in die Runde hauen und das Geschehen auflockern. Nicht weniger witzig ist interessanterweise Nixon selbst, der mit politisch brisanten Witzen punkten kann.

Leider sieht man wenig von Frosts letztendlicher Bemühung, dem großen Nixon doch noch ein Geständnis über den Watergate-Skandal zu entlocken. Ein plötzlicher Geistesblitz (seines Kollegen!), kurzes Einschließen in einem Hotelzimmer und schon ist Frost bereit, dem ehemaligen Präsidenten ernsthafte Paroli zu bieten. Wirkt infolge der vorhergehenden Ereignisse ziemlich unglaubwürdig. Da lohnt eventuell ein Blick ins Archiv, um zu schauen wie die Interviewaufnahmen wirklich abliefen. Wer ein starkes Charakterdrama mit politischem Anstrich sehen möchte, wird hier gut bedient. Ich empfehle die Originalfassung, um die gesamte Wucht zu spüren. Als grobe Zusammenfassung der Watergate-Ereignisse sicher auch für Schulklassen interessant. Spielerisch lernt es sich immer noch am besten. Und das hier ist großes SchauSPIEL.

8/10

Weitere Infos:

Offizielle Seite I Frost/Nixon auf IMDB

Reblog this post [with Zemanta]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>