The Times of Harvey Milk

Sechs Jahre nach dem Tod des ersten bekennenden homosexuellen Stadtrates von San Francisco rekonstruiert Rob Epstein den schwierigen politischen Aufstieg Harvey Milks in den 70er Jahren. Der Bürgerrechtler und Vorkämpfer für die Rechte von Schwulen und Lesben hatte es, ausgehend vom mittlerweile legendären Castro-Viertel, nach jahrelangen Versuchen in eine der höchsten Positionen der Stadt geschafft. In Interviews mit Hinterbliebenen und zahlreichen Fernsehaufnahmen schildert der Dokumentarfilm die Erfolgskarriere Milks bis hin zu dessen tragischem Tod 1978, als Ex-Stadtrat Dan White ihn und den Bürgermeister George Moscone kaltblütig erschoss – und dafür lediglich eine Haftstrafe von sieben Jahren erhielt.

Dokumentarfilme sind meist eine Sache für sich, wenn es darum geht den Zuschauer durchschnittlich 90 Minuten bei der Stange zu halten. Ich bin der Meinung dass es vollkommen egal ist, ob die Doku optisch oder akustisch viel hergibt, solange man dem Thema wirklich Interesse entgegen bringt. Bestes Beispiel ist „The Times of Harvey Milk“, der alleine schon aufgrund seines Alters relativ „antiquiert“ wirkt und Archivmaterial mit Fernsehaufnahmen und Interviewausschnitten verbindet, also sehr old-school, wie man zu sagen pflegt.

Obwohl z.B. sein Engagement beim Theater nicht gerade uninteressant ist, erfährt man sehr wenig über die Zeit vor Harveys politischer Karriere in San Francisco. Das ist der einzige größere Kritikpunkt den ich habe, denn gerade diese Zeit dürfte ihn deutlich geprägt haben haben für sein späteres Leben. Eventuell standen solche Informationen nicht zur Verfügung, was schade ist. Äußerst informativ und gehaltvoll waren die vielen Infos über Dan White und den so genannten Prozess, der ihm gemacht wurde. Es ist wirklich eine Katastrophe wie offensichtlich da Beweise mit lausigen Begründungen aus der Welt geschafft worden. Ein bisschen Gejammer und das Vorzeigen der kleinen Familie reicht da für einen weißen Mann aus der bürgerlichen Mitte, um der Todesstrafe zu entgehen. Es ist wichtig dass solch ein korruptes und von Vorurteilen geprägtes System offen gelegt wird und ich bin froh, dass ich durch Gus van Sant auf das Thema „Harvey Milk“ aufmerksam worde. An dieser Stelle sei noch gesagt, dass die Ähnlichkeit zwischen Dan White und Josh Brolin im Van Sants Film „Milk“ wirklich verblüffend ist.

Ich hoffe es werden sich noch viele Leute diese Doku ansehen, wenn sie im Februar auf DVD erscheint, denn solche Geschichten müssen in der Öffentlichkeit präsenter werden und vor allem bleiben. Denn es geht hier nicht um schwul oder nicht schwul sein, sondern um die Achtung allen friedvollen Lebens und den Gedanken, dass man mit den richtigen Menschen an der Spitze ALLES erreichen kann. Eventuell wird es eine Zeit geben, in der es mehr Harvey Milks gibt, als Pistolenkugeln, mit denen diese zu Fall gebracht werden könnten. Es wird schwierig sein dies noch mitzuerleben – aber wie heißt es so schön während des Films: You’ve got to give them hope!

9/10

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Ein Kommentar zum Artikel “The Times of Harvey Milk

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