Operation Walküre

Nordafrika, April 1943: Bei einem englischen Tieffliegerangriff wird Claus Schenk Graf von Stauffenberg schwer verwundet. Zwar hatte sich der Wehrmachtsoffizier bereits mehrfach Regime-kritisch geäußert, aktiv schließt Stauffenberg sich der Widerstandsgruppe um Generalmajor Henning von Tresckow, Generaloberst a.D. Ludwig Beck und den Leipziger Ex-Bürgermeister Carl Friedrich Goerdeler allerdings erst nach seiner Genesung in Deutschland an. Man plant die Beseitigung Hitlers mit anschließendem Staatsstreich. Binnen kürzester Zeit wird der charismatische Stauffenberg zum organisatorischen Kopf der Verschwörer.

Die internationale Presse scheint Hunger zu leiden, denn wie eine gierig Hyäne stürzte sie sich auf jede Meldung zu diesem Film und vor allem dem Kopf hinter dem Projekt: Tom Cruise. Nicht nur dessen Mitgliedschaft bei Scientology wurde ewig diskutiert, sondern auch Unfälle beim Dreh dienten für allerlei Schlagzeilen. Und wofür das alles? Für nichts! Denn weder ist der Film total gefloppt, noch ist er qualitativ schlecht. In meinen Augen sogar alles andere als das. Bisher kannte man meistens nur die TV-Dokumentationen und Verfilmungen des berühmten Stauffenberg-Attentates – meist sehr bieder und inszenatorisch langweilig. Bryan Singer, bekannt als Regisseur von X-Men und den üblichen Verdächtigen, schafft es dem Stoff Leben einzuhauchen und einen spannenden Thriller auf die Leinwand zu bringen. Die 120 Minuten Laufzeit vergehen wie im Flug und trotz des bekannten Ausgangs sitzt man gespannt im Kinosessel und denkt sogar, es könnte doch noch anders kommen.

Da ein skeptischer Blick, dort eine unachtsame Geste, jede Handlung beinhaltet eine Art von Spannung – denn irgendjemand hört oder sieht immer hin. Man bekommt das Gefühl selbst ein Verschwörer zu sein und in der Runde präsent zu sein. Dafür sorgen die weithin bekannten Schauspieler (Ja, es spielt nicht nur Tom Cruise im Film mit – Überraschung für alle BILD-Leser!), die ihren Job bravourös meistern und deren Angst so echt wirkt wie nur möglich. Natürlich gibt es auch Mängel, denn die Dramaturgie richtet sich schon sehr stark an den amerikanischen Durchschnitts-Kinogänger. Wenn nicht irgendein Schusswechsel eingestreut wird (die vor allem gegen Ende sehr unrealistisch wirken – ob da das Geschichtsbuch Klarheit bringt?), gibt es zumindest die Androhung eines Schusses. Und wenn selbst das nicht passiert, regiert im Hintergrund ein pompöses Orchester, dass mit ordentlich Pam! Pam! Pam! viele Szenen untermalt. Sehr gelungen und sehr antreibend, nebenbei spitze kombiniert mit den Kamerabildern. Störend fallen desweiteren die deutschen Schauspieler mit ihren Mini-Rollen auf, die wie im Falle von Thomas Kretzschmann gezwungen lustig sein sollen oder eh nur 1-2x im Bild sind.

Fazit: Wären Verschwörungen immer so spannend, könnte sich niemand mehr in diesem Land sicher fühlen. Schummrige Eckkneipen werden zur Gefahrenzone, die Blicke der Kassiererin angsteinflößend….Spannung läge in der Luft. Wer das nicht will, sondern nur eine Ahnung dessen, sollte einfach ins Kino gehen. Viel Spaß!

8/10

Weitere Infos zum Film: Offizielle Seite I International Movie Database

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